Was der März brachte: (fast) nur gute Nachrichten

2012
04.03

Was er brachte… ja spontan fällt mir da erst mal eine scheiss Kälte ein. Jetzt kommt hier nämlich so langsam die Zeit, wo von Süden her hin und wieder kalte Luftmassen einreisen, und das war in den letzten Tagen der Fall. Da ich mich eh schon bei irgendwem mit einer kleinen Erkältung angesteckt hatte, tut mir die Temperatur natürlich um so besser. Das Termometer hat heute morgen irgendwas von 20 Grad gefaselt aber ich bin überzeugt: Es lügt. Nachts ist es ja noch mal kühler und mit meinen 3 Decken komme ich noch so gerade aus. Wir haben schon Horrorgeschichten von 8 Grad gehört und von armen kleinen Äffchen, die tot aus den Bäumen fallen… Na mal sehen, was da noch kommt…

Nun aber erst mal zu den schönen Dingen, da gab es ja auch einige. Anfang März kam erst mal die Anette an, eine Studentin aus Freiburg, ehemalige Freiwillige in Lima und eine ganz liebe. Mit ihr hatten wir viel Spass und sie unterstützte uns nach besten Kräften – auf der Chacra und auch im sonstigen Leben. Für uns war ja so langsam die Zeit gekommen, sich mit Zukunftsfragen zu beschäftigen und durch ihre Erfahrungen konnte sie uns super im Punkt „Wie funktioniert eigentlich studieren?“ weiterhelfen.

Und sie hatte Glück! Gleich kurz nach ihrer Ankunft hatte nämlich Luis Geburtstag und wir wurden zu einem kleinen Festmal eingeladen mit guter peruanischer Hausmannskost. Natürlich hatten auch wir etwas mitgebracht. Einen eigentlich ziemlich verunglückten Copuazúschokoladenkuchen, der aber durch Claras Idee mit dem Schokoladenüberzug und meine Idee mit dem Bananenblatt doch noch ganz vorzeigbar wurde, finde ich. Und so hat er auch geschmeckt!

Nach diesem vollendeten Magenausstopfer spielten wir dann den Rest des Abends Mäxchen. Ihr wisst schon, dieses Spiel mit den Würfeln das als Trinkspiel ganz böse sein kann. Wir stellten fest, dass die Peruaner das Lügen noch ein bisschen üben müssen, aber wir hatten alle sehr viel Spass.

In Sachen Arbeit war dann mit so ungefähr fünfmonatiger Verspätung endlich mal das Büro dran. Das sollte nämlich von dem kleinen teuren Mietlokal in der Stadt hier zu uns ins Ecocentro ziehen. So verbrachten wir ein paar Tage mit dem in Kisten packen der vielen Bücher, abmontieren der Gerätschaften und anschliessendem Streichen der leeren Räume. Ursprünglich war das obere Stockwerk unseres Hauses für das Büro vorgesehen, doch da sich die Inangriffnahme der Dacherneuerung wohl noch ins Bodenlose hinzieht, entschied Luis sich für das Obergeschoss seines eigenen Hauses. Im Nachhinein war das auch eine viel bessere Idee, da sein Haus zum Beispiel gegen Einbrüche viel leichter absicherbar ist. Und so ist dort nun das alte Chaos beseitigt und dafür stehen die vielen interessanten spanischen, deutschen, portugiesischen und indigensprachigen Landwirtschaftsbücher in Reih und Glied neben Projektmappen und alten Dias und auch zwei PCs sind angeschlossen, die wir benutzen dürfen, damit sie nicht kaputt gehen. Wenn das mal keine gute Nachricht ist!

Die nächste Zeit waren wir dann sehr fleissig auf der Chacra, die mittlerweile vielleicht sogar fast vorzeigbar aussieht. Wir füllten nämlich die Reihen, die noch nicht komplett waren, mit Setzlingen von Cacao, Sternfrucht, Caoba (Holz), Shimbillo und Paranuss aus. Jetzt sind sie leider noch klein, aber wenn sie erst mal gewachsen sind, werden sich die Vorteile des Agroforstsystems sicher bemerkbar machen und man muss nicht mehr ständig sauber machen. Obwohl das auch gerade gar nicht so das Schlimmste ist, Luis hat nämlich ein neues Lieblingsspielzeug: einen motorisierten Grünzeughexler.Ausserdem pflanzten wir noch ein bisschen mehr Gemüse wie 3-monatigen Yuca, Mais und Tomaten. Der 6-monatige Yuca, den wir im Dezember gepflanzt hatten, wächst übrigens super und macht die Chacra viel ansehnlicher. Wir waren sehr zufrieden.

So, jetzt noch eine von den ausnahmsweise nicht ganz so schönen Nachrichten: Der Streik der Goldsucher. Der hat nämlich in den letzten Wochen teilweise recht kräftig in den Strassen Puerto Maldonados getobt, sodass es sogar 3 Tote gab. Über mehrere Tage waren die Strassen kaum passierbar und wir gingen tagsüber nicht raus, um als Weisse nicht noch zusätzlich den Zorn der Aufständischen aufsich ziehen könnten Das Problem ist, dass der Staat nicht von Anfang an etwas gegen den Goldrausch und die extrem umweltschädlichen Methoden der Sucher getan hat. Nun gibt es natürlich sehr viele Menschen, die von diesem unschönen aber auch sehr viel Geld bringenden Geschäft leben und die wenige Jobalternativen sehen. An dieser Stelle noch einmal die Bitte: Finger weg von Goldankauf zu Geldanlagezwecken!

Was gibt es sonst noch so zu erzählen? Ach ja, ein historischer Moment. In unserer im-Prinzip-Stammbar, bei der wir uns eigentlich ständig vornehmen, nicht mehr hin zu gehen, weil sie so unzuverlässig ist, lief letztens tatsächlich mal alles Glatt. Sie brachten uns Speisen und Getränke nicht nur innerhalb von 10 Minuten, nein, zum Sandwich kamen auch sofort alle vier Sossen dazu, wir bekamen Canchita (Maisknabberei), die Karte blieb zum nachbestellen am Tisch und ich bekam sogar ein süsses kleines Kännchen Honig zu meinem Maltabier, obwohl es das nicht auf der Karte gibt. Alles da. Wenn das nicht mal eine gute Nachricht ist!

Ach ja, die Läuse… ja, da bin ich mir noch nicht so richtig sicher, ob sie wirklich weg sind, aber finden tue ich keine mehr und die Nissen sind auch alle weiss. Vielleicht ist das gelegentliche Jucken, das ich manchmal verspüre, nur eine Phantomerscheinung. Wenn ich was finde, sinds jedenfalls nur die ewig überall präsenten Ameisen. Das peruanische Läuseschampoo hilft also recht gut gegen Läuse, sogar besser als gegen Kopfhaut.

Nach drei Wochen musste Anette leider schon wieder gehen. An ihrem letzten Abend veranstalteten wir aber noch eine Art kleine Party mit Ensalada Russa, Kartoffelsalat, grünem Salat und Stockbrot. Mit dem Feuerchen war es ein sehr gemütlicher Abend, zumal zu dem Zeitpunkt noch zufällig zwei deutsche Mädels zu besuch waren. Über zwei Ecken bekannte von Felix, die witzigerweise auch Anette kannten. So klein ist die Welt!

In der Woche drauf hatte ich dann ein sehr schönes Aha-Erlebnis, was meine Eltern aber vielleicht nicht soo glücklich macht… Der Ninja hatte mir nämlich – lieb, wie er ist – vor einer Weile Bienenwachsplatten aus Cusco mitgebracht. Die braucht man unter anderem, damit die Bienen in ihren Kästen Orientierungswände haben und ihre Waben nicht kreuz und quer bauen (Von wegen Honigwaben raus holen und so…). Und damit haben wir dann eine Kiste bestückt und wollten die auf die alte drauf stellen. Beim ersten Anlauf war dann leider das Papier zur Raucherzeugung zu feucht – pech gehabt, um sonst gestochen. Am nächsten Tag röstete ich es dann ein paar Minuten im Ofen knusprig und das wirkte Wunder. Der Deckel liess sich leicht ablösen und schon fast hatten wir die Heimerweiterung draufgesetzt, da kommt von Luis plötzlich ein überraschtes „Oh… Honig!“. Als wir vor ein paar Monaten mal nachgeschaut hatten, war da noch nichts von zu sehen, vielleicht wegen dem Chacrabrand, aber nun gab es eindeutig viele dunkelgolden schimmernde Waben. Irgendwie gelang es Luis, ein Stückchen rauszubrechen, an mehr war bei den Durcheinander nicht zu denken. Doch das reichte schon… Zurück am Pausenplätzchen unter schattigen Bananen wurde dann geschwisterlich geteilt und jeder saugte genüsslich an seinem Stückchen rum. Ich weiss nicht, ob es an den durchlittenen Ängsten lag, oder an den Blüten in der Selva; jedenfalls habe ich noch nie einen so leckeren Honig gekostet! Und da diese haplo-diploiden Insekten ja sowieso schon mal ziemlich spannende Tiere sind und viele nützliche und leckere Sachen machen und es ja immer weniger Imker gibt habe ich mir überlegt, vielleicht ein bisschen dabei zu bleiben und irgendwann auch mal hobbymässig ein oder zwei Stöcke zu hegen… Aber keine Angst, Mama und Papa, das ist was für irgendwann mal und bis dahin werde ich mich gut in das ganze einlesen…

So, wie es sich gehört nun das kleine Reisehighlight des Monats am Schluss. Dieses letzte Wochenende haben wir nämlich auf den Hof der Eltern von Luis verbracht, irgendwo Richtung brasilianische Grenze und 12 km in die Überreste des Regenwaldes. Das hatten wir schon vor Monaten geplant, weil Luis meinte, seine Eltern könnten Hilfe bei der Paranussernte gebrauchen. Dadurch, dass es nun aber doch immer später wurde, war es aber dann doch eher eine Sache zu unserem eigenen Vergnügen, bei dem wir viele neue Eindrücke sammelten.

Felix stellte zum Beispiel fest, dass ein Loch im Boden als Klo gar nicht so schlimm ist, wie man denkt :-) Ausserdem haben wir zum erstn mal so richtige Truthähne gesehen unter dem ganzen Federvieh, das da so rumlief. Enten, verschiedenste Hühner und auch eigentlich aus der Selva stammende bunte Hausvögel und ein Papagai. Abgesehen davon noch Kühe, Ziegen, Schafe und Schweine. Und ein total knuffiges Achuni als Haustier, das die ganze Zeit spielen wollte (und dabei auch mal sehr kräftig zubeissen konnte).

Aber natürlich haben wir nicht nur rumgehangen. Am Samstagvormittag sind wir erst mal in den Wald gegangen und haben schon geerntete Paranuss-Kapseln mit der Machete aufgeschlagen. Nachmittags schlugen wir uns im Wald bis zu einem Tümpel vor, wo wir angelten. Der einzige, der etwas fing, war ein Bruder von Luis, allerdings an einem Nachbartümpel. Den ungefähr zwei Hand langen Fisch gab es am Sonntag dann zum Frühstück (für mich natürlich nicht, aber Reis, Yuka und mit Zucker frisch abgekochte Milch machten mich schon satt genug).

Ach wie schön! Ein weiteres mal fällt es mir nämlich nicht schwer, eine weitere bekannte Tropenpflanze vorzustellen. Und zwar ist aus gegebenem Anlass die Paranuss dran. Und das ist eine ziemlich interessante Pflanze. Mit um die 40 m Höhe sind diese stattlichen Bäume nämlich echte Riesen im Regenwald. Auch können sie sehr Alt werden: Geschätzt an die 1200 Jahre.

Es ist übrigens verboten, sie zu fällen; dafür kann man tatsächlich sogar 5 Jahre ins Gefängnis kommen. Darum gibt es kein schönes Castañaholz zu kaufen (wie die Pflanze hier heisst) und die grossen einsamen Bäume, die auf abgeholzten Flächen und Weideland stehen – manchmal sogar schon abgestorben -, gehören meist dieser Art an. Allein auf grosser Fläche gedeihen sie allerdings nicht so gut und der Ertrag wird rasch schlechter, weil der Boden Nährstoffe verliert.

So, nun zur Frucht. Die reift zum ersten mal nach rund 12 Jahren und sieht tatsächlich wie eine Cocosnuss aus, weshalb sie hier auch als Coco bezeichnet wird. Ab Dezember fällt sie vom Baum und macht den Boden unter ihm zu unsicherem Gelände. Bei Luis Familie wurden dann kleine Hügel davon gebaut und mit Farnblättern abgedeckt, um sie zu sammeln und später alle gleichzeitig aufzuschlagen. Und das ist gar nicht so leicht. Die erste dünnere Schicht kann man noch gut abstreifen, vor allem, wenn Ameisen und Termiten die Vorarbeit geleistet haben. Dann muss man von der harten Schale eine Seite abschlagen, was schon mal ein paar kräftige Schläge lang dauern kann. Ist das geschafft, kann man die hoffentlich unverletzten Nüsse einfach rausschütteln.

Natürlich hat die Nuss noch einmal eine Schale, sonst wäre es ja zu einfach.

Ich finde, das rüttelt Kindheitserinnerungen wach. Jaja, damals, als diese braunen, komischen Teile immer als letztes auf den Weihnachtstellern lagern, weil niemand etwas mit ihnen anfangen konnte und mein Papa sich dann mit dem Nussknacker genüsslich ihrer „erbamte“…

Hier wird die Verpackung in die Knie gezwungen, indem man die Nüsse rund fünf Tage in der Sonne trocknet und dann mit einem Eisenbolzennussknacker bearbeitet.

Als wir uns die Bäume anschauten, konnte man übrigens teilweise schon die Nusskapseln des kommenden Jahres erspähen. Zum reifen brauchen die stark öligen Früchte also ein ganzes Jahr.

So, ich stelle mal wieder fest, dass ich unbedingt regelmässiger schreiben muss, hoffe, dass der ein oder andere noch bis hierhin vorgedrungen ist und wünsche euch allen ein schönes Osterfest, hoffentlich dieses Mal ohne Verletzungen durch Schwerter, Äxte oder sonstiges Spielzeug.

Lieben Gruss,

Alondra

 

2 Responses to “Was der März brachte: (fast) nur gute Nachrichten”

  1. KarinundCarsten sagt:

    Ja, das mit den Paranüssen kenne ich auch… hätte ich nicht gedacht, dass das soo alte Bäume sind… muss ich die nächsten Nüsse doch mit etwas mehr Respekt behandeln.
    Und ja, Ostern lief alles glatt, bis auf einige übliche Kleinwunden, wie z.B. Kiefernzapfen, die plötzlich auf Kinderköpfen landen, Messer, die in Finger gleiten und unnütze Fleischopfer, die an Feuerstellen verbrannten, und das nicht zu knapp. Vom fleischlosen Fast-drei-gänge-Spargelmenü von Ruth können wir allerdings nur schwärmen… yummii….

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