Archive for April, 2012

Ein Logbucheintrag zum Essen, Teil III


2012
04.11

So, endlich geschafft. Wünsche euch viel Spass beim Lesen und bis zum nächsten Mal.

  • Die Restaurants

  • Natürlich kann man auch richtig essen gehen. Neben den vielen grösseren und kleineren Lokalen gibt es auch Kochnischen und Marktstände, wo man landestypische Kost kriegen kann. Ein Gericht, das man auf fast jeder Karte findet, ist zum Beispiel „A lo Pobre – für den Armen“. Der arme Arme, der das alles Essen muss.

    Eher was für mich ist „Arroz a la Cubana“, das ist wie der Name schon sagt vor allem Reis. Dazu dann ein oder zwei Eier, ein paar Streifen Kochbanane und manchmal noch irgendeine andere kleine Beilage und kein bisschen Fleisch – Super!

    Recht lecker (wenn denn mal vegetarisch) ist auch Juane, in Bananenblätter eingewickelter Reis mit gelben Gewürzen, Yuka, Ei, Oliven, Hühnerfleisch… Der Name kommt laut Juan von einem Feiertag namens San Juan, an dem traditionell dieses Gericht gegessen wird. Die etwas kleinere Päckchenausführung eher für die Hand besteht aus Maisbrei in Maiskolbenblättern. Schimpft sich dann Tamales. Ausser es ist süss, dann heisst es Huminta. Aber das nur nebenbei.

    Es gibt noch viele andere Gerichte und jedes Gebiet, ja jede Stadt hat seine eigene Spezialität, aber das würde hier jetzt den Rahmen sprengen…
    Nun zu den anderen Restauranttypen, z.B. Pollerías. Wie der Name schon sagt (pollo -> span. Hühnchen) gibt es hier alle möglichen Gerichte mit Hühnchen und viel Reis, aber auch ein Salat lässt sich hier auftreiben. Und natürlich hat nicht nur der Reis allein einzug in die peruanische Esskultur gehalten. Chinarestaurants heissen hier Chifas und da gibt es neben dem wohl bekanntesten Gericht Arroz Chaufa (Reis mit Hühnchen, Sojasauce und Gemüse, Arroz -> Reis)auch noch viele andere Sachen, die aber allesamt nicht so recht dem ähneln, was es in deutschen Chinarestaurants gibt. Ähnlich verhält es sich mit den Pizzerien. Die Meinungen gingen unter den Freiwilligen unserer Gruppe auseinander, ob die Pizza von hier denn nun geniessbar sei oder nicht. Hier bei uns in Puerto finde ich sie durchaus lecker so aus dem Lehmofen jedoch etwas mächtig mit dem ganzen Käse drauf und natürlich den geilen Sossen. Hier wird Pizza nämlich immer mit Sossen gereicht, meist etwas in Richtung Knoblauchmayonaise und ein scharfes Ají. Aber zum Glück ist Pizza ja schon alleine wegen dem Geldbeutel nichts für jeden Tag. Ja, bei den Solespreisen wird man schon irgendwie geizig, da sind 7 Euro für eine grosse Pizza viel. Was werden wir alle stöhnen, wenn wir wieder in Deutschland sind… Tja, und dann gibt es ja noch die merkwürdigerweise gar nicht ganz so seltenen Vegetarier. Dort kriegt man mittags ein ganz gutes Menü mit viel Gemüse und Vollwertgetreide (Ninjas Kommentar dazu einmal: „Als ich das erste mal hier gegessen habe, dachte ich, sie hätten den Reis nicht richtig gewaschen“) und je nach dem auch leckere Snacks Abendessen. Eigentlich schon merkwürdig, denn Vegetarismus ist hier keine weit verbreitete Krankheit. Meistens werden die Läden von irgendwelchen christlichen Sektenmitgliedern geführt…

  • Nicht zu vergessen: die alkoholischen Getränke
  • Am meisten konsumiert wird wohl Bier. Und da ist eine Sorte allzeit präsent: Cusqueña(hehe, der Vorteil einer spanischen Tastatur – eine extra Taste für das blöde Ñ :-) kommt aus Cusco, wie der Name schon sagt. Arequipeña ist dann logischerweise aus Arequipa.

    Ich muss euch leider enttäuschen, vom Bier habe ich nicht ganz so viel Ahnung, war ja noch nie so ganz meins. Das einzige,was man wirklich gut trinken kann ist Cusqueña Malta mit Honig, vielleicht zu vergleichen mit einer Kreuzung von Odins und Malzbier. Ach ja, und Ponche de Malta ist auch recht gut, obwohl ich es nicht mehr wirklich zu den alkoholischen Getränken zählen würde. Ein Gebräu aus Milch, Ei, Banane, Malta und noch einigen anderen Sachen.
    Pisco Sour und seine Brüder: Pisco ist ein Traubenschnaps, der angeblich aus Pisco kommt. (Wie auch in einigen anderen Punkten streiten die Peruaner sich bei der Herkunft des Pisco mit den Chilenen. Am besten immer dem zustimmen, in dessen Land man sich gerade aufhält.) Für Pisco Sour wird er soweit ich weiss mit Limonsaft, Zucker und Eiweissschaum zubereitet. Ansonsten gibt es natürllich auch noch einige andere Coctails, in denen er Verwendung findet. Ich bin meist nicht sooo der Freund davon, jedem das seine.
    Die Weine, die ich bisher probiert habe waren alle samt sehr süss und ich hätte sie nicht umbedingt als Wein bezeichnet, wenn es nicht auf der Flasche gestanden hätte. Hat mich persönlich jetzt nicht so gestört, im Gegenteil. Was ich auch sehr trinkbar finde, ist die hiesige Sangria. Kommt zwar vermutlich auch in den Bars einfach aus dem Tetrapack, mit den kleinen Apfel-, Ananas- und Bananenstückchen drin schmeckt es aber noch mal um längen besser.
    An sonsten ist die Zahl der alkoholischen Getränke, die abends in den Bars ausgeschenkt werden, wohl nicht weniger vielfältig als bei uns. Viele Spirituosen – vor allem die, die man zum Coctails mischen braucht – sind sogar identisch.
    Und wir Deutschen?
    Tja, und was essen Felix und ich eigentlich an sonsten so, wenn uns kein Peruaner über die Schulter schaut? Irgendwie war das von Anfang an so eine Kombination aus deutschem Essstil mit peruanischen Zutaten und immer wieder neuen Anregungen. Allerdings scheint das P mittlerweile überhand zu nehmen… Zutaten wie Zwiebeln und Limonen gehen uns immer schneller aus (O-Ton Felix: „Ich habe noch nie so viele rohe Zwiebeln gegessen, wie in diesem Jahr“) und auch das dröge, relativ geschmacksarme Kohlenhydrat hängt uns noch nicht zum Halse heraus…

    „Du, ich hab heut irgendwie lust auf Reis…“

    „Okay… und dazu die Bohnen von Gestern… und der Kürbis, der muss weg“ (Mit Zwiebeln, versteht sich von selbst)

    „Klingt gut… Und danach dann Pfannekuchen“ (Felix Spezialität)

    „Mit den reifen Kochbananen… und Limonensaft…“

    „Joa, läuft.“

  • Fazit nach all dem Reden um den heissen Brei:
  • Es ist wirklich interessant, eine andere Esskultur kennenzulernen und immer wieder Neues zu entdecken, obwohl es natürlich auch anfangs sehr ungewohnt ist. Doch recht schnell werden Speisen, die man vorher nicht gekocht hätte, zu Selbstverständlichkeiten.
    Viele Zutaten und Gaumenfreuden, die bei uns selbstverständlich sind, bekommt man hier kaum oder gar nicht. Ich vermisse schon irgendwie die vielen tollen Kräuter der deutschen Küche, echte ungesalzene Butter, leckere Milch, den holländischen Gouda, den Met, ein bisschen vielleicht die Schokolade und die Kochkünste von meinem Papa.
    Wiederum anderes werde ich in Deutschland schmerzlich vermissen, weil sie, wenn man sie denn findet, teuer sind und einfach nicht genau so schmecken, wie das vielfältige, sonnengereifte, tropische Obst, die Kochbananen, den Yuca, die Zig Kartoffel- und Bohnensorten, überhaupt die vielen frischen Sachen, die man auf Markt und Feria so kaufen kann und die leckeren Schweinereien, die es immer und überall auf der Strasse gibt.
    Also, reisst bloss nicht in andere Länder! Das kann euren Zutatenhorrizont und eure Kochgewohnheiten bleibend schädigen!

    Ein Logbucheintrag zum Essen, Teil II


    2012
    04.05

    So, hier nun endlich der nächste Teil der Essensserie. Hoffe, ich langweile euch nicht. Aber wer nicht mag muss ja nicht lesen.

      Das Essen auf der Strasse

    Natürlich kochen wir aber nicht immer, manchmal ist man einfach faul. Und wenn man eh gerade unterwegs ist, kommt man gar nicht darum herum, von den vielfältigen Genüssen auf der Strasse zu kosten. (In dem Punkt haben wir uns von vornherein nicht an die gutgemeinten Ratschläge unserer Betreuer gehalten, richtig was eingefangen haben wir uns aber auch nicht.)
    Ich fange mal bei der Papa Revorsada an, weil man die einfach überall kriegt. Das ist eigentlich einfach nur eine mit Ei panierte und fritierte Kartoffel, zwischen deren zwei Hälften eine Scheibe Käse steckt. Am besten schmecken die abends, bei den Frauen mit den kleinen Grillwägelchen, wo sie noch mal aufgewärmt werden. Danach kommt dann Mayonaise und vor allem ganz viel Ají drauf.
    Bei diesen Grillwägelchen gibt es dann meist auch Anticucho, das ist Rinderfleisch am Spiess. Fragt mich nicht nach dem Geschmack.
    Dann kriegt man auch an allen Ecken belegte Brötchen, wahlweise mit Käse oder Ei oder Hühnchen und Salat. Die etwas dekadentere Version mit mehr als drei Zutaten und bei etwas Glück noch Kartoffelsticks als kleiner Kick, also das Sandwitch, heisst hier übrigens Sanguche, weil der Name des englischen Erfinders den Peruanern nicht so leicht über die Zunge will.
    Nicht zu vergessen sind auch die Empanadas – Teigtaschen, die wahlweise mit Käse oder einer Fleischmasse gefühllt sind. Da kommt dann natürlich auch Ají drauf.
    Weitere kleine Apetittchen sind gekochte Wachteleier, gekochter Maiskolben, Pijuayos (kartoffelartige Palmfrüchte), Reisbrot, gebratene Kochbananen, … Die Liste lässt sich beliebig fortführen.
    Die vielen süssen Teilchen, die es in den Bäckereien und von Verkaufswägelchen so zu kaufen gibt haben allesamt einen starken Geschmack nach süss und nichts anderem und sind daher aus meiner Sichtmit wenigen Ausnahmen eher etwas enttäuschend. Nur von Alfajor kann ich einfach nicht die Finger lassen. Zwei Teigscheiben aus gefühltem Nullermehl (weil super weich), zusammengeklebt mit Manjar blanco, einer Crème aus gekochter Milch und Zucker.

    Lecker sind auch die Picarones, fritierte Teigringe mit Honig, die man mit ein bisschen Glück an einem Strassenstand findet.
    Ansonsten gibt es für eine süsse Erfrischung noch die ganzen Eiswägelchen, die ausser Stiel- und Hörncheneis auch noch Marcianos verkaufen, praktisch Fruchtsaft in Tütchen eingefroren.

    Und dann gibt es noch Raspadilla, das mir vor allem in Lima am Strand gut schmeckt. Das ist geraspeltes Eis mit verschiedenem Sirup drüber.
    Noch was Wichtiges? Ach ja, ganz wichtig: ich habe hier noch nie süsses Popcorn gesehen. Es ist praktisch immer salzig. Schmeckt aber eigentlich ganz gut. Im Kino vermisst man dann zwar doch irgendwie das süsse Popcorn, aber zum Glück gibt es richtige Kinos ja nur in Lima.
    Und noch etwas ganz wichtiges, was es hier praktisch nicht gibt: Schokolade! Man findet zwar an jeder Ecke Süssigkeiten mit Schokolade, die sind aber alle samt super süss und enthalten nur ein Minimum an dem braunen Gold. Am meisten an Schokolade kommen noch die kleinen Sublimetäfelchen, die ein wenig an Blockschokolade mit ganz viel Zucker erinnern, richtige Schokoladentafeln habe ich ausser in Lima hier aber noch nicht gesehen.
    Allgemein sind Milchprodukte hier überhaupt nicht so der Renner. Man kriegt sie schon ganz frisch auf dem Markt, dann muss man sie aber noch abkochen und sie hat vermutlich durch den Melkvorgang im Stall irgendwie einen penetranten Geschmack nach Kuh. In Kaffee, Cacao und Milchreis kommt entweder Trocken- oder Dosenmilch. Richtige Butter hab ich hier noch nirgendwo gesehen, das was hier als Butter verkauft wird ist immer Pflanzlich und gesalzen. Auch die Sahne vermisse ich sehr. Die Geburtstagstorten würden nämlich viel besser schmecken, wenn da nicht immer diese ungeniessbar süsse Eischneemasse drauf wär.
    So, nun zu den Getränken, die dürfen ja beim Essen nicht fehlen. Das in der Welt wohl bekannteste Getränk Perús, ist wohl die Chicha Jora, die aus vergorenem Mais hergestellt wird. Sehr lecker und durch den (normalerweise, wenn ich nicht zu viel Zucker rein tue und sie nicht so lange steht) recht geringen Alkoholgehalt auch tagsüber gut trinkbar. Der Bruder von der Chicha ist das Masato aus vergorenem Yuca, was mich persönlich immer ein bisschen an flüssigen Yoghurt erinnert. Schmeckt auch gut. Beides sind allerdings eher Getränke aus der Sierra. Hier in der Selva spielt etwas ganz anderes für mich eine viel grössere Rolle: Die ganzen geilen Jugos, für die „Fruchtsaft“ einfach ein viel zu schnödes Wort ist. Banane, Papaya, Ananas, Mango und sonstiges Saisonobst wird gründlich im Mixxer pürriert, manchmal kombiniert oder einzeln, pur oder mit Zucker oderHonig oder Johannesbrotkernsirup auch mal mit roter Beete oder Limone oder Ei und wahlweise mit und ohne Milch. Das ganze ergibt dann ein richtig schön drabbiges Gemisch, von dem ein grosses Glas meist schon ziemlich satt macht. Es ist wirklich schade, dass diese ganzen Früchte in Deutschland nicht wachsen… Wenn man nicht gerade günstig an sowas dran kommt wird das daheim wohl eine Sache für Festtage bleiben.


    Ein anderes Getränk kann aber gerne mal jeder ausprobieren, der einen Mixxer hat und kein Problem mit rohen Eiern: Eine Limonade. Je nach Geschmack ein oder zwei Eiklar, den Saft von 2 bis 4 Limetten/Limonen und ein paar Löffel Zucker schön schaumig schlagen. Das dann mit kühlem Wasser aufgiessen, eventuell nachsüssen und vor dem Servieren noch mal mixxen. Eine Vitamin C reiche, cremige Erfrischung.

    Sonstige Durstlöscher sind hier Chicha Morada (aus dem schon erwähnten roten Mais), Cebada (aus gerösteter Gerste), Aguajina (etwas dickflüssiges Getränk aus einer Palmfrucht, unbeschreiblich und mein absoluter Favorit), frisch gepresster Orangensaft und stark verdünnte Fruchtsäfte von zum Beispiel Maracuya, Copuazú oder Cocona. Letztere wird übrigens als Selvatomate bezeichnet und ist, wie ich in Iquitos feststellen konnte, echt vielseitig. Dort ist nämlich statt dem Zwiebelsalat eine Sosse aus Cocona, Zwiebel und Ají gängig.

    Naja, und aus meiner sicht ein schwarzes Kapittel sind Gaseosas, die Softdrinks. Inkakola (ein gelbes und etwas nach Kaugummi schmeckendes Zeug), CocaCola und Co werden von von vielen Peruanern tatsächlich den anderen Erfrischungen vorgezogen…
    Morgens gibt es hier oft warme, dickflüssige Getränke, die sich super als Frühstück eignen. Auf der Feria trinke ich ritualmässig jedes mal Quinua, es gibt aber auch Chapo aus süssen Kochbananen und Maca, angeblich ein potenzförderndes Mittel aus irgendeiner Wurzel. Auch lecker sind trinkbare Versionen von Haferschleim oder geröstetem Weizenmehl, meist noch mit Zimt und Nelken verfeinert.

    (von Rechts unten nach links oben: Quinua, Chapo, Maca, belegte Brötchen mit Hühnchen/Fleisch/Käse/Ei, Gekochte Eier, Papa Revorsada, fritierte Empanadas und natürlich Mayonaise und Aji)

    So, nun habt ihrs bald geschafft, fehlt nur noch ein Teil, der nach Ostern kommt. Bis bald also!

    Was der März brachte: (fast) nur gute Nachrichten


    2012
    04.03

    Was er brachte… ja spontan fällt mir da erst mal eine scheiss Kälte ein. Jetzt kommt hier nämlich so langsam die Zeit, wo von Süden her hin und wieder kalte Luftmassen einreisen, und das war in den letzten Tagen der Fall. Da ich mich eh schon bei irgendwem mit einer kleinen Erkältung angesteckt hatte, tut mir die Temperatur natürlich um so besser. Das Termometer hat heute morgen irgendwas von 20 Grad gefaselt aber ich bin überzeugt: Es lügt. Nachts ist es ja noch mal kühler und mit meinen 3 Decken komme ich noch so gerade aus. Wir haben schon Horrorgeschichten von 8 Grad gehört und von armen kleinen Äffchen, die tot aus den Bäumen fallen… Na mal sehen, was da noch kommt…

    Nun aber erst mal zu den schönen Dingen, da gab es ja auch einige. Anfang März kam erst mal die Anette an, eine Studentin aus Freiburg, ehemalige Freiwillige in Lima und eine ganz liebe. Mit ihr hatten wir viel Spass und sie unterstützte uns nach besten Kräften – auf der Chacra und auch im sonstigen Leben. Für uns war ja so langsam die Zeit gekommen, sich mit Zukunftsfragen zu beschäftigen und durch ihre Erfahrungen konnte sie uns super im Punkt „Wie funktioniert eigentlich studieren?“ weiterhelfen.

    Und sie hatte Glück! Gleich kurz nach ihrer Ankunft hatte nämlich Luis Geburtstag und wir wurden zu einem kleinen Festmal eingeladen mit guter peruanischer Hausmannskost. Natürlich hatten auch wir etwas mitgebracht. Einen eigentlich ziemlich verunglückten Copuazúschokoladenkuchen, der aber durch Claras Idee mit dem Schokoladenüberzug und meine Idee mit dem Bananenblatt doch noch ganz vorzeigbar wurde, finde ich. Und so hat er auch geschmeckt!

    Nach diesem vollendeten Magenausstopfer spielten wir dann den Rest des Abends Mäxchen. Ihr wisst schon, dieses Spiel mit den Würfeln das als Trinkspiel ganz böse sein kann. Wir stellten fest, dass die Peruaner das Lügen noch ein bisschen üben müssen, aber wir hatten alle sehr viel Spass.

    In Sachen Arbeit war dann mit so ungefähr fünfmonatiger Verspätung endlich mal das Büro dran. Das sollte nämlich von dem kleinen teuren Mietlokal in der Stadt hier zu uns ins Ecocentro ziehen. So verbrachten wir ein paar Tage mit dem in Kisten packen der vielen Bücher, abmontieren der Gerätschaften und anschliessendem Streichen der leeren Räume. Ursprünglich war das obere Stockwerk unseres Hauses für das Büro vorgesehen, doch da sich die Inangriffnahme der Dacherneuerung wohl noch ins Bodenlose hinzieht, entschied Luis sich für das Obergeschoss seines eigenen Hauses. Im Nachhinein war das auch eine viel bessere Idee, da sein Haus zum Beispiel gegen Einbrüche viel leichter absicherbar ist. Und so ist dort nun das alte Chaos beseitigt und dafür stehen die vielen interessanten spanischen, deutschen, portugiesischen und indigensprachigen Landwirtschaftsbücher in Reih und Glied neben Projektmappen und alten Dias und auch zwei PCs sind angeschlossen, die wir benutzen dürfen, damit sie nicht kaputt gehen. Wenn das mal keine gute Nachricht ist!

    Die nächste Zeit waren wir dann sehr fleissig auf der Chacra, die mittlerweile vielleicht sogar fast vorzeigbar aussieht. Wir füllten nämlich die Reihen, die noch nicht komplett waren, mit Setzlingen von Cacao, Sternfrucht, Caoba (Holz), Shimbillo und Paranuss aus. Jetzt sind sie leider noch klein, aber wenn sie erst mal gewachsen sind, werden sich die Vorteile des Agroforstsystems sicher bemerkbar machen und man muss nicht mehr ständig sauber machen. Obwohl das auch gerade gar nicht so das Schlimmste ist, Luis hat nämlich ein neues Lieblingsspielzeug: einen motorisierten Grünzeughexler.Ausserdem pflanzten wir noch ein bisschen mehr Gemüse wie 3-monatigen Yuca, Mais und Tomaten. Der 6-monatige Yuca, den wir im Dezember gepflanzt hatten, wächst übrigens super und macht die Chacra viel ansehnlicher. Wir waren sehr zufrieden.

    So, jetzt noch eine von den ausnahmsweise nicht ganz so schönen Nachrichten: Der Streik der Goldsucher. Der hat nämlich in den letzten Wochen teilweise recht kräftig in den Strassen Puerto Maldonados getobt, sodass es sogar 3 Tote gab. Über mehrere Tage waren die Strassen kaum passierbar und wir gingen tagsüber nicht raus, um als Weisse nicht noch zusätzlich den Zorn der Aufständischen aufsich ziehen könnten Das Problem ist, dass der Staat nicht von Anfang an etwas gegen den Goldrausch und die extrem umweltschädlichen Methoden der Sucher getan hat. Nun gibt es natürlich sehr viele Menschen, die von diesem unschönen aber auch sehr viel Geld bringenden Geschäft leben und die wenige Jobalternativen sehen. An dieser Stelle noch einmal die Bitte: Finger weg von Goldankauf zu Geldanlagezwecken!

    Was gibt es sonst noch so zu erzählen? Ach ja, ein historischer Moment. In unserer im-Prinzip-Stammbar, bei der wir uns eigentlich ständig vornehmen, nicht mehr hin zu gehen, weil sie so unzuverlässig ist, lief letztens tatsächlich mal alles Glatt. Sie brachten uns Speisen und Getränke nicht nur innerhalb von 10 Minuten, nein, zum Sandwich kamen auch sofort alle vier Sossen dazu, wir bekamen Canchita (Maisknabberei), die Karte blieb zum nachbestellen am Tisch und ich bekam sogar ein süsses kleines Kännchen Honig zu meinem Maltabier, obwohl es das nicht auf der Karte gibt. Alles da. Wenn das nicht mal eine gute Nachricht ist!

    Ach ja, die Läuse… ja, da bin ich mir noch nicht so richtig sicher, ob sie wirklich weg sind, aber finden tue ich keine mehr und die Nissen sind auch alle weiss. Vielleicht ist das gelegentliche Jucken, das ich manchmal verspüre, nur eine Phantomerscheinung. Wenn ich was finde, sinds jedenfalls nur die ewig überall präsenten Ameisen. Das peruanische Läuseschampoo hilft also recht gut gegen Läuse, sogar besser als gegen Kopfhaut.

    Nach drei Wochen musste Anette leider schon wieder gehen. An ihrem letzten Abend veranstalteten wir aber noch eine Art kleine Party mit Ensalada Russa, Kartoffelsalat, grünem Salat und Stockbrot. Mit dem Feuerchen war es ein sehr gemütlicher Abend, zumal zu dem Zeitpunkt noch zufällig zwei deutsche Mädels zu besuch waren. Über zwei Ecken bekannte von Felix, die witzigerweise auch Anette kannten. So klein ist die Welt!

    In der Woche drauf hatte ich dann ein sehr schönes Aha-Erlebnis, was meine Eltern aber vielleicht nicht soo glücklich macht… Der Ninja hatte mir nämlich – lieb, wie er ist – vor einer Weile Bienenwachsplatten aus Cusco mitgebracht. Die braucht man unter anderem, damit die Bienen in ihren Kästen Orientierungswände haben und ihre Waben nicht kreuz und quer bauen (Von wegen Honigwaben raus holen und so…). Und damit haben wir dann eine Kiste bestückt und wollten die auf die alte drauf stellen. Beim ersten Anlauf war dann leider das Papier zur Raucherzeugung zu feucht – pech gehabt, um sonst gestochen. Am nächsten Tag röstete ich es dann ein paar Minuten im Ofen knusprig und das wirkte Wunder. Der Deckel liess sich leicht ablösen und schon fast hatten wir die Heimerweiterung draufgesetzt, da kommt von Luis plötzlich ein überraschtes „Oh… Honig!“. Als wir vor ein paar Monaten mal nachgeschaut hatten, war da noch nichts von zu sehen, vielleicht wegen dem Chacrabrand, aber nun gab es eindeutig viele dunkelgolden schimmernde Waben. Irgendwie gelang es Luis, ein Stückchen rauszubrechen, an mehr war bei den Durcheinander nicht zu denken. Doch das reichte schon… Zurück am Pausenplätzchen unter schattigen Bananen wurde dann geschwisterlich geteilt und jeder saugte genüsslich an seinem Stückchen rum. Ich weiss nicht, ob es an den durchlittenen Ängsten lag, oder an den Blüten in der Selva; jedenfalls habe ich noch nie einen so leckeren Honig gekostet! Und da diese haplo-diploiden Insekten ja sowieso schon mal ziemlich spannende Tiere sind und viele nützliche und leckere Sachen machen und es ja immer weniger Imker gibt habe ich mir überlegt, vielleicht ein bisschen dabei zu bleiben und irgendwann auch mal hobbymässig ein oder zwei Stöcke zu hegen… Aber keine Angst, Mama und Papa, das ist was für irgendwann mal und bis dahin werde ich mich gut in das ganze einlesen…

    So, wie es sich gehört nun das kleine Reisehighlight des Monats am Schluss. Dieses letzte Wochenende haben wir nämlich auf den Hof der Eltern von Luis verbracht, irgendwo Richtung brasilianische Grenze und 12 km in die Überreste des Regenwaldes. Das hatten wir schon vor Monaten geplant, weil Luis meinte, seine Eltern könnten Hilfe bei der Paranussernte gebrauchen. Dadurch, dass es nun aber doch immer später wurde, war es aber dann doch eher eine Sache zu unserem eigenen Vergnügen, bei dem wir viele neue Eindrücke sammelten.

    Felix stellte zum Beispiel fest, dass ein Loch im Boden als Klo gar nicht so schlimm ist, wie man denkt :-) Ausserdem haben wir zum erstn mal so richtige Truthähne gesehen unter dem ganzen Federvieh, das da so rumlief. Enten, verschiedenste Hühner und auch eigentlich aus der Selva stammende bunte Hausvögel und ein Papagai. Abgesehen davon noch Kühe, Ziegen, Schafe und Schweine. Und ein total knuffiges Achuni als Haustier, das die ganze Zeit spielen wollte (und dabei auch mal sehr kräftig zubeissen konnte).

    Aber natürlich haben wir nicht nur rumgehangen. Am Samstagvormittag sind wir erst mal in den Wald gegangen und haben schon geerntete Paranuss-Kapseln mit der Machete aufgeschlagen. Nachmittags schlugen wir uns im Wald bis zu einem Tümpel vor, wo wir angelten. Der einzige, der etwas fing, war ein Bruder von Luis, allerdings an einem Nachbartümpel. Den ungefähr zwei Hand langen Fisch gab es am Sonntag dann zum Frühstück (für mich natürlich nicht, aber Reis, Yuka und mit Zucker frisch abgekochte Milch machten mich schon satt genug).

    Ach wie schön! Ein weiteres mal fällt es mir nämlich nicht schwer, eine weitere bekannte Tropenpflanze vorzustellen. Und zwar ist aus gegebenem Anlass die Paranuss dran. Und das ist eine ziemlich interessante Pflanze. Mit um die 40 m Höhe sind diese stattlichen Bäume nämlich echte Riesen im Regenwald. Auch können sie sehr Alt werden: Geschätzt an die 1200 Jahre.

    Es ist übrigens verboten, sie zu fällen; dafür kann man tatsächlich sogar 5 Jahre ins Gefängnis kommen. Darum gibt es kein schönes Castañaholz zu kaufen (wie die Pflanze hier heisst) und die grossen einsamen Bäume, die auf abgeholzten Flächen und Weideland stehen – manchmal sogar schon abgestorben -, gehören meist dieser Art an. Allein auf grosser Fläche gedeihen sie allerdings nicht so gut und der Ertrag wird rasch schlechter, weil der Boden Nährstoffe verliert.

    So, nun zur Frucht. Die reift zum ersten mal nach rund 12 Jahren und sieht tatsächlich wie eine Cocosnuss aus, weshalb sie hier auch als Coco bezeichnet wird. Ab Dezember fällt sie vom Baum und macht den Boden unter ihm zu unsicherem Gelände. Bei Luis Familie wurden dann kleine Hügel davon gebaut und mit Farnblättern abgedeckt, um sie zu sammeln und später alle gleichzeitig aufzuschlagen. Und das ist gar nicht so leicht. Die erste dünnere Schicht kann man noch gut abstreifen, vor allem, wenn Ameisen und Termiten die Vorarbeit geleistet haben. Dann muss man von der harten Schale eine Seite abschlagen, was schon mal ein paar kräftige Schläge lang dauern kann. Ist das geschafft, kann man die hoffentlich unverletzten Nüsse einfach rausschütteln.

    Natürlich hat die Nuss noch einmal eine Schale, sonst wäre es ja zu einfach.

    Ich finde, das rüttelt Kindheitserinnerungen wach. Jaja, damals, als diese braunen, komischen Teile immer als letztes auf den Weihnachtstellern lagern, weil niemand etwas mit ihnen anfangen konnte und mein Papa sich dann mit dem Nussknacker genüsslich ihrer „erbamte“…

    Hier wird die Verpackung in die Knie gezwungen, indem man die Nüsse rund fünf Tage in der Sonne trocknet und dann mit einem Eisenbolzennussknacker bearbeitet.

    Als wir uns die Bäume anschauten, konnte man übrigens teilweise schon die Nusskapseln des kommenden Jahres erspähen. Zum reifen brauchen die stark öligen Früchte also ein ganzes Jahr.

    So, ich stelle mal wieder fest, dass ich unbedingt regelmässiger schreiben muss, hoffe, dass der ein oder andere noch bis hierhin vorgedrungen ist und wünsche euch allen ein schönes Osterfest, hoffentlich dieses Mal ohne Verletzungen durch Schwerter, Äxte oder sonstiges Spielzeug.

    Lieben Gruss,

    Alondra