{"id":335,"date":"2011-11-22T20:55:31","date_gmt":"2011-11-22T18:55:31","guid":{"rendered":"http:\/\/birgits-blog.net\/?p=335"},"modified":"2011-12-30T02:45:00","modified_gmt":"2011-12-30T00:45:00","slug":"unter-anderem-eine-peruanische-hochzeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/birgits-blog.net\/?p=335","title":{"rendered":"unter Anderem eine peruanische Hochzeit"},"content":{"rendered":"<p>Ich sch\u00e4me mich sehr, dass ich mich in den letzten Wochen nicht gemeldet habe. Irgendwie vergeht die Zeit wie im Flug und ich dachte, der letzte Eintrag l\u00e4ge erst ein paar Tage zur\u00fcck. So richtig viel Spannendes ist bis zu diesem Wochenende aber auch nicht passiert, aber dazu sp\u00e4ter.<br \/>\nErst mal ein bisschen was zum Projekt. Also nachdem wir die letzten Wochen vor allem mit S\u00e4hen und Pflanzen auf der Chacra besch\u00e4ftigt waren, haben wir die diese Woche erst einmal in Ruhe gelassen. Nun k\u00f6nnen die Sternfrucht- und Paranusssch\u00f6sslinge anwachsen und Kartoffeln, Zwiebeln, Ingwer und Avocado haben Zeit zum keimen. Ausserdem haben wir schon in mehreren Bananenreihen angefangen, Papaya zwischen die einzelnen Stauden zu pflanzen, die jeweils ein paar Bohnen als Wiegennachbarn bekommen haben. Die wachsen n\u00e4mlich schnell, halten das Unkraut fern, spenden den ersten Trieben Schatten, d\u00fcngen den Boden weil Leguminosen und sind obendrein sogar noch essbar. Ganz fertig geworden sind wir leider noch nicht aber das kommt auf jeden Fall in den n\u00e4chsten Tagen noch.<br \/>\nDiese Woche haben wir vor allem T\u00fcten mit Erde gef\u00fcllt und St\u00f6cker rein gesteckt. Das klingt erst mal komisch aber wenn alles gut geht schlagen die aus und wir haben bald eine Armee von Zierstr\u00e4uchern.<br \/>\nAm spannendsten und leider auch anstregendensten war aber das wieder frei schlagen des Pfads durch das Sekund\u00e4rw\u00e4ldchen des \u00d6kozentrums. Direkt neben der Chacra liegt n\u00e4mlich ein h\u00fcbsch verfilztes, nahezu unber\u00fchrtes Fleckchen und das soll Bauern und Allgemeininteressierten zeigen, was f\u00fcr n\u00fctzliche Pflanzen da im Wald so wachsen und vielleicht auch, wie man den Wald nutzen kann ohne ihn zu roden. Dazu werden wir f\u00fcr ein paar spannende Pflanzen auf dem Weg noch Schilder machen, zuvor heisst es aber erst mal Machete sch\u00e4rfen und ran. Als besonders fiess entpuppte sich hierbei das bambus\u00e4hnliche Zeugs, dass auch noch richtig b\u00f6se Stacheln hat, die problemlos durch Handschuhe kommen.Aber lohnen tut es sich auch&#8230; zum Beispiel gibt es dort einen ziemlich grossen und vor allem m\u00e4chtigen Baum, der eine Aush\u00f6hlung im Stamm hat, in der vermutlich Flederm\u00e4use hausen. Vielleicht setze ich mich an einem der n\u00e4chsten Tage mal zur D\u00e4mmerungszeit mit einer Kamera vor die \u00d6ffnung. Ausserdem gibt es wilde Bienen in der H\u00f6hle eines anderen Baums. Und die sehen sogar mal richtig aus wie typische Bienen und nicht wie die kleinen schwarzen Dinger die hier so als Bienen bezeichnet werden&#8230; Fertig sind wir allerdings noch lange nicht&#8230; Mal sehen, wie es in der n\u00e4chsten Zeit weiter geht.<br \/>\nAn sonsten habe ich mich nun tats\u00e4chlich dazu entschlossen, mir die Grundsachen von Capoeira beibringen zu lassen. Wenn ich es also schaffe mache ich mich abends zum Haus der Efrains auf, wo dann meistens der kleine Ninja schon wartet um uns zu maltr\u00e4tieren. Er ist tats\u00e4chlich kleiner als ich aber das macht er mit Auftreten und K\u00f6rperbau mehr als wett. Man hat wirklich den Eindruck, er besteht nur aus Haut und Muskeln und ganz vielleicht ein paar Knochen. Die \u00dcbungen, die wir machen, machen wir meist 50 mal und zwischendurch 50 mal im Liegen die beine hoch und noch 20 bis 30 Liegest\u00fctze &#8211; meist 2 mal am Abend. Und am Ende wird immer gedehnt. Ich bin wirklich sehr froh, dass mein K\u00f6rper schon einigermassen gelenkig ist.. Der eine oder andere hat schon ein paart Tr\u00e4nchen weggewischt, als ihm beim Spagat nachgeholfen wurde. Ja, es hat schon ein bisschen was Satanistisches, aber es macht auch echt Spass XD<br \/>\nSo, jetzt endlich zum eigentlich spannenden Teil diese Woche. Und zwar war ich am Samstag abend auf einer kirchlichen Hochzeit mit allem drum und dran, mit Braut in Weiss, Blumenkindern und Reis. Da ich in Deutschland nie einer Kirchlichen Hochzeit beiwohnte, kann ich leider keine direkten Vergleiche ziehen, aber h\u00fcbsch anzusehen war es auf jeden fall. Da reingeraten bin ich \u00fcbrigens, weil der Br\u00e4utigam ein Polizist und Arbeitskollege vom Nilo war. Witzigerweise wurde Felix auch eingeladen, aber von jemand anderem. Puerto Maldonado ist also doch irgendwie ein Dorf \ud83d\ude09<br \/>\nDa ich in Deutschland nat\u00fcrlich nicht gerade Ballkleider in meinen Rucksack gepackt hatte, musste ich mir erst mal angemessene Kleidung besorgen. So ist der Nilo dann am Samstag mittag mit mir losgetiegert und wir haben mir ein langes braun-cr\u00e8mefarbenes Kleid ausgesucht, um eine h\u00e4ssliche kleine Schramme an meinem Bein zu verdecken. Abends habe ich mir dann noch mal kurz meine vom Klima etwas angegriffenen Haare zurechtzurren lassen und ohne gefragt zu werden wurde ich dann auch noch geschminkt. Alles im selben Gesch\u00e4ft, versteht sich^^ Dazu dann noch goldene Schuhe mit riesigen Abs\u00e4tzen (die am sp\u00e4teren Abend h\u00f6llisch schmerzten) und noch ein bisschen Glitzerschmuck \u2013 Ich muss zugeben, ich sah an dem Abend wahrscheinlich besser aus als an meinem Schulabschluss XD<br \/>\nTja, und dann ging es in die Kirche. In dem Punkt muss man sich im Kopf von den alten europ\u00e4ischen Kirchen frei machen. Hier in PM sind die Kirchen alle recht neumodisch, aber doch irgendwie h\u00fcbsch. Diese hier hatte bunte Fenster in vorm von Flammen. Nach peruanischem Brauch begann das Ganze nat\u00fcrlich nicht um 8 sondern erst um halb 9, und zwar mit dem einschreiten der Braut an der Hand des Grossvaters (der Vater ist verstorben), angef\u00fchrt von Blumenkindern und gefolgt von weiteren Kindern zum Schleppe tragen. Und dann lief eben die Zeremonie ab, vermutlich ganz \u00e4hnlich wie in Deutschland auch. Ringe wurden ausgetauscht, gek\u00fcsst, Hostie und Wein verteilt&#8230; Gest\u00f6rt wurde das ganze nur leider von einem kleinen Stromausfall, aber die Kerzen spendeten genug Licht. Die Musik kam \u00fcbrigens von einem Chor und war definitiv ganz anders als die Kirchenlieder in Deutschland. Ich kann es leider nicht beschreiben aber es klang sehr locker und fr\u00f6hlich. Ein Lied gegen Ende war besonders spannend, weil pl\u00f6tzlich alle die Menschen vor-, hinter- oder neben sich umarmten, auch wenn diese wildfremd waren. Am Ende der Kirchenzeremonie wanderte das Brautpaar dann durch ein Spalier aus Polizeim\u00fctzen, die Arbeitskollegen des Br\u00e4utigamms hatten sich n\u00e4mlich am Ausgang aufgestellt.<br \/>\nGefeiert wurde dann in einem hell eingerichteten Restaurant, in dem alles mit weissen und roten T\u00fcchern voll hing. Leider hatte ich keine Kamera dabei, weil mein Kleid keine Taschen hatte. Es wurde noch die eine oder andere Rede gehalten, H\u00e4ppchenwurden gereicht und eine Band spielte die ganze Zeit s\u00fcdamerikanische Tanzmusik. Da Nilo grossen spass am Tanzen hat und auch recht gut ist musste ich nat\u00fcrlich auch mit ihm Tanzen. Gegen 12 wurde dann noch ein Essen serviert, davon war allerdings leider nur der Reis vegetarisch. Danach war ich schon sch\u00e4ndlicherweise ziemlich m\u00fcde&#8230; Da Nilo gegen 7 wieder arbeiten musste nahmen wir uns eigentlich vor nur noch die wundersch\u00f6ne Torte abzuwarten. Die bestand aus mehreren aufgebarrten kleinen Torten, die mit Rosen und Brautp\u00e4rchen dekoriert waren. Leider warteten wir vergeblich&#8230; als wir um 3 gingen hatte noch keiner anstalten gemacht, sie anzuschneiden und auch Felix, der erst gegen halb 4 ging bekam nichts ab. Im nachhinein haben wir uns dann gedacht, dass es vielleicht nur eine Atrappe war -.- Schade.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/birgits-blog.net\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Zu-etwas-spaeterer-Stunde-auf-der-Hochzeit.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/birgits-blog.net\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Zu-etwas-spaeterer-Stunde-auf-der-Hochzeit-300x225.jpg\" alt=\"\" title=\"Zu etwas sp\u00e4terer Stunde auf der Hochzeit\" width=\"300\" height=\"225\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-350\" \/><\/a><br \/>\nNun noch fix eine neue Pflanze&#8230; Und weil ich von den dingern in letzter Zeit so viele gepflanzt habe und die wirklich lecker sind hab ich mich f\u00fcr die Banane entschieden. Davon gibt es unglaublich viele Sorten hier. Die Kochbananen finde ich am genialsten, weil es die in Deutschland so \u00fcberhaupt nicht gibt und weil man damit so viel anstellen kann. Wenn sie reif sind, schneidet man sie einmal der l\u00e4nge nach auf, br\u00e4t sie und ist sie so oder mit Schockosauce oder sonstigen Schweinereien. Gr\u00fcn schneide ich sie am liebsten in kleine Scheiben, brate sie mit ganz viel \u00d6l, Zwiebeln und Salz an und dann gibt es vielleicht noch Avocadocr\u00e8me oder Mayo dazu. Schmeckt fast wie bratkartoffeln.<br \/>\nAber auch die normalen Bananen schmecken hier super. Ich habe mich mitlerweile in die Seidenbananen verliebt, die nicht ganz so gross sind wie die in deutschen Superm\u00e4rkten. Felix dagegen schw\u00f6rt auf etwa Fingergrosse, die man auch super trocknen kann. Es gibt aber auch etwa gurkengrosse Bananen hier&#8230;<br \/>\nSo noch was zum pflanzen, das ist n\u00e4mlich auch ganz spannend. Bananen Wachsen an Stauden (und nein, man kann sie nicht gerade biegen =). Jeder Stamm, oder eher Schaft tr\u00e4gt dabei nur einmal Fr\u00fcchte, danach bildet er Ableger und stirbt ab. Und diese Ableger kann man dann halb ausgraben, halb abhacken und einfach so in den Boden stecken. Man braucht sie nicht einmal angiessen, weil sie so viel Saft haben. Wenn man aber ein bisschen darauf achtet, wie man sie einpflanzt, kann man bestimmen, wohin die Fr\u00fcchte h\u00e4ngen sollen. Die wachsen n\u00e4mlich immer nach aussen, das heisst, wenn man die Ablegerseite, die an der Mutterpflanze hing nach Osten zeigend in den Boden steckt, wachsen die Fr\u00fcchte nach Westen. Dann hackt man auf halber H\u00f6he eine Scharte in den Schaft, das ganze kippt und man kann gem\u00fctlich ernten. Um die Pflanzen gesund zu halten muss man hin und wieder die alten Bl\u00e4tter und Sch\u00e4fte entfernen, damit sich kein Ungeziefer einnistet.Was ich sonst noch spannend fand war, dass man den Bl\u00e4ttern der Spr\u00f6sslinge schon ansehen kann, ob die Pflanze gesund und gut gen\u00e4hrt ist. Wachsen die sehr schmal und gerade, ist sie top. Sehen sie schon breit und zerrissen aus wie bei einer alten Pflanze, sind sie nicht in Ordnung.<br \/>\nDie Dinger wachsen \u00fcbrigens unglaublich schnell. Wir haben zwei Exemplare von der Chacra mitgenommen und im Ecocentro gepflanzt. Nach einem Tag sah das ungef\u00e4hr so aus:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/birgits-blog.net\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Banane-ungefaehr-einen-Tag-alt.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/birgits-blog.net\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Banane-ungefaehr-einen-Tag-alt-225x300.jpg\" alt=\"\" title=\"Banane ungef\u00e4hr einen Tag alt\" width=\"225\" height=\"300\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-346\" \/><\/a><br \/>\nNach ca. einem Monat so:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/birgits-blog.net\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Banane-vielleicht-einen-Monat-alt.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/birgits-blog.net\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Banane-vielleicht-einen-Monat-alt-225x300.jpg\" alt=\"\" title=\"Banane vielleicht einen Monat alt\" width=\"225\" height=\"300\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-349\" srcset=\"http:\/\/birgits-blog.net\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Banane-vielleicht-einen-Monat-alt-225x300.jpg 225w, http:\/\/birgits-blog.net\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Banane-vielleicht-einen-Monat-alt-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><br \/>\nSo viel zu dieser wundervollen Pflanze, die wohl viel zur Menschheitsentwicklung beigetragen hat \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Lieben Gruss,<br \/>\nAlondra<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich sch\u00e4me mich sehr, dass ich mich in den letzten Wochen nicht gemeldet habe. 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